Handwerker einstellen: Die besten Plattformen für Betriebe 2026

Veröffentlicht: Juni 2026

Rund 200.000 Stellen sind im deutschen Handwerk aktuell unbesetzt, laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). In Engpassberufen wie SHK (Sanitär, Heizung, Klima) bleiben Stellen im Schnitt 295 Tage vakant, im Aus- und Trockenbau sogar 300 Tage (Bundesagentur für Arbeit, Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026). Das sind keine Ausreißer, sondern der neue Normalzustand.

In diesem Kontext wird die Wahl des richtigen Einstellungskanals zur Schlüsselfrage. Gemeint sind damit nicht nur klassische Jobbörsen, die alle Branchen abdecken, sondern auch spezialisierte Plattformen, die gezielt auf handwerkliche Berufe ausgerichtet sind und auch Fachkräfte ansprechen, die nicht aktiv suchen. Wer den passenden Kanal wählt, besetzt Stellen schneller und mit weniger Streuverlust.

Dieser Artikel vergleicht die fünf relevantesten Plattformen anhand konkreter Kriterien.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rund 200.000 Stellen sind im deutschen Handwerk unbesetzt. Seit 2015 gibt es mehr offene Handwerksstellen als arbeitslose Handwerker.
  • Generalisten erreichen fast ausschließlich aktiv Suchende, leiden aber an Problemen mit der Bewerberqualität im Handwerkskontext.
  • Auf das Handwerk spezialisierte Jobbörsen treffen die Zielgruppe besser, aber hier gibt es Unterschiede: Manche überlassen Vorauswahl und Kandidatenansprache dem Betrieb.
  • PowerUs unterscheidet sich von anderen Spezialisten: Die Plattform spricht aktiv auch passive Kandidaten an und vermittelt vom ersten Kontakt bis zur Einstellung im Schnitt in 30 Tagen.

Welche Plattformen gibt es für Handwerksbetriebe im Überblick?

PlattformSpezialisierung HandwerkKostenmodellBewerbermodell
StepstoneGering (Generalist)Pauschal pro Anzeige (Preise variieren, ab ca. 249 Euro/Monat)Aktiv Suchende
IndeedGering (Generalist)Bis zu 3 kostenlose Anzeigen/Monat, darüber Premium (variabler Preis)Aktiv Suchende
BA JobbörseMittel (alle Branchen)KostenlosAktiv Suchende
handwerkerjobs.deHoch (alle Gewerke)Pauschal pro Anzeige (ab 395 Euro / 30 Tage)Aktiv Suchende
PowerUsHoch (alle Gewerke)Individuell (auf Anfrage)Aktiv und passiv Suchende

Was bieten die einzelnen Plattformen für Handwerksbetriebe?

Stepstone

Stepstone ist mit 7,5 Millionen monatlichen Besuchern eine der reichweitenstärksten Jobbörsen in Deutschland. Die Plattform richtet sich nach eigener Positionierung primär an Fach- und Führungskräfte sowie Akademikerinnen und Akademiker. Handwerkliche Berufe sind auf Stepstone vertreten, aber nicht der Schwerpunkt.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das: hohe Gesamtreichweite, aber entsprechender Streuverlust. Wer auf Stepstone eine SHK-Stelle ausschreibt, erreicht viele Menschen, aber anteilsmäßig wenige mit handwerklichem Ausbildungshintergrund. Stellenanzeigen kosten je nach Paket ab ca. 249 Euro pro Monat (All Jobs Starter, Stand März 2026), höherwertige Pakete liegen deutlich darüber.

Geeignet für: Betriebe, die neben Handwerksstellen auch kaufmännische oder Führungspositionen besetzen und eine einheitliche Plattform nutzen wollen.

Weniger geeignet für: Betriebe mit knappem Budget, die ausschließlich Fachkräfte im Handwerk suchen.

Indeed

Indeed ist nach eigenen Angaben die weltweite Nummer 1 der Jobbörsen nach Gesamtbesuchen. In Deutschland aggregiert das Portal Stellenanzeigen aus tausenden Quellen, was zu einer enormen Reichweite führt. Seit dem 10. Dezember 2025 kann jeder Arbeitgeber bis zu 3 kostenlose Stellenanzeigen pro Monat schalten. Darüber hinaus sind kostenpflichtige Premium-Stellenanzeigen erforderlich, deren Mindestpreis je nach Markt, Wettbewerb und gewähltem Plan variiert (Quelle: Indeed Hilfe-Center).

Im Bereich Bauwesen verzeichnete Indeed im zweiten Quartal 2025 einen Stellenzuwachs von 5,7 Prozent, während der deutsche Gesamtmarkt um 4 Prozent sank (Quelle: Indeed Hiring Lab). Das zeigt, dass handwerkliche Berufe auf Indeed aktiv nachgefragt werden. Die Qualität der Bewerbungen hängt jedoch stark von der Anzeigengestaltung ab. Ohne bezahlte Hervorhebung ist die Sichtbarkeit eingeschränkt, da gesponserte Anzeigen bevorzugt ausgespielt werden.

Geeignet für: Betriebe, die kostengünstig testen wollen ob ein digitaler Kanal funktioniert, oder die parallel auf mehreren Plattformen ausschreiben.

Weniger geeignet für: Betriebe ohne Erfahrung mit Anzeigenoptimierung, die planbare Ergebnisse ohne eigenen Aufwand erwarten.

Bundesagentur für Arbeit

Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist vollständig kostenlos. Für Handwerksbetriebe ist die Registrierung aus zwei Gründen empfehlenswert: Viele aktiv arbeitsuchende Handwerker sind dort gemeldet, und die Listung ist in einigen Förderprogrammen Voraussetzung.

Der strukturelle Nachteil: Die BA-Jobbörse erreicht fast ausschließlich aktiv Arbeitssuchende. Wer aktuell angestellt ist und einen Wechsel erwägt, sucht dort selten. Da laut ZDH seit 2015 mehr offene Handwerksstellen existieren als arbeitslose Handwerker, ist die Reichweite in die aktiv Arbeitssuchenden allein nicht ausreichend.

Geeignet für: Als kostenloser Ergänzungskanal für jede Stelle, besonders für Ausbildungsplätze und Einstiegspositionen.

Weniger geeignet für: Als alleiniger Kanal, besonders bei Engpassberufen wie SHK oder Elektro.

handwerkerjobs.de

handwerkerjobs.de ist auf Handwerk spezialisiert und deckt nach eigenen Angaben alle Gewerke ab. Betriebe schalten Stellenanzeigen gegen einen Pauschalpreis. Das günstigste Paket (Selbstbucher) kostet 395 Euro für 30 Tage, höherwertige Pakete mit Social-Media-Ausspielung liegen zwischen 695 und 995 Euro. Eine aktive Vorauswahl durch die Plattform findet nicht statt.

Die Plattform hat eine klare Zielgruppe und weniger Streuverlust als die Generalisten. Was öffentlich fehlt: konkrete Zahlen zur Bewerberreichweite, zur Anzahl registrierter Profile oder zur durchschnittlichen Zeit bis zur Bewerbung. Betriebe zahlen damit vorab für Sichtbarkeit ohne Erfolgsgarantie.

Geeignet für: Betriebe mit Erfahrung in der Stellenanzeigengestaltung, die handwerksspezifische Reichweite zu planbaren Kosten wollen.

Weniger geeignet für: Betriebe, die auf aktive Vorauswahl oder passive Kandidaten angewiesen sind.

PowerUs

PowerUs ist eine Jobplattform für das Handwerk und die Industrie. Auf der Plattform sind über 200.000 Handwerkerinnen und Handwerker registriert.

Das Preismodell ist je nach Betriebsgröße unterschiedlich und wird im Erstgespräch geklärt. Vor einer Verpflichtung prüft PowerUs im Erstgespräch gemeinsam mit dem Betrieb, wie viele passende Kandidaten in der jeweiligen Region und dem jeweiligen Fachbereich verfügbar sind. Stellenanzeigen werden aktiv an passende Profile ausgespielt, auch an Handwerker, die nicht aktiv suchen, aber wechselbereit sind. Vom ersten Kontakt bis zur Einstellung vergehen auf der Plattform im Schnitt 30 Tage.

Zeitangabe basiert auf abgeschlossenen Vermittlungen auf der PowerUs-Plattform. Gemessen wird der Zeitraum vom ersten Erstkontakt zwischen Betrieb und Kandidat bis zum bestätigten Einstellungsdatum.

Geeignet für: Betriebe im Handwerk und in der Industrie, die schnell eine konkrete Stelle besetzen wollen. Besonders starke Kandidatendichte besteht in den Gewerken Elektro, SHK, Kfz und Bau.

Weniger geeignet für: Betriebe außerhalb von Handwerk und Industrie.

Jobbörse oder Personalvermittlung: Wann lohnt sich was?

Neben den digitalen Plattformen ist die klassische Personalvermittlung eine weitere Option. Personalvermittler arbeiten in der Regel auf Provisionsbasis und verlangen bei Festanstellungen typischerweise zwischen 15 und 25 Prozent eines Jahresgehalts. Bei einem Elektrikergehalt von 42.000 Euro entspricht das 6.300 bis 10.500 Euro pro Einstellung.

Für Handwerksbetriebe ergibt sich daraus folgende Entscheidungslogik:

Der entscheidende Unterschied zwischen Plattform und Vermittler: Plattformen geben Reichweite, Vermittler übernehmen den Auswahlprozess. Für kleine Betriebe ohne eigene Personalabteilung kann ein spezialisiertes Plattformmodell das Risiko senken und gleichzeitig den internen Aufwand reduzieren.

Warum bewerben sich so wenige Handwerker?

Das ist die Frage, die Betrieben am meisten unter den Nägeln brennt. Die Antwort liegt nicht hauptsächlich an der Wahl der Plattform.

Seit 2015 gibt es in Deutschland mehr offene Handwerksstellen als arbeitslose Handwerker, laut ZDH. Das bedeutet: Die meisten Handwerker, die für eine Stelle in Frage kommen, sind bereits angestellt. Sie suchen nicht aktiv, sind aber unter Umständen wechselbereit. Wer als Betrieb nur auf Plattformen setzt, die ausschließlich aktiv Suchende erreichen, schöpft den verfügbaren Markt nicht aus.

Hinzu kommt eine strukturelle Verschiebung: Laut ZDH stehen in den nächsten fünf Jahren bei rund 125.000 Handwerksbetrieben Betriebsnachfolgen an, für die keine Nachfolger gefunden werden. Der Fachkräftemangel betrifft damit nicht nur offene Stellen, sondern die Existenz ganzer Betriebe.

Für Betriebe bedeutet das praktisch: Wer nur auf eingehende Bewerbungen wartet, wartet zu lang. Plattformen, die aktiv Profile ansprechen und auch passive Kandidaten erreichen, haben in diesem Markt einen strukturellen Vorteil.

Was macht eine Stellenanzeige im Handwerk wirksam?

Die Wahl der Plattform ist wichtig. Die Qualität der Stellenanzeige ist mindestens genauso wichtig. In einer Analyse von über 5.000 Stellenanzeigen auf PowerUs zeigt sich ein klarer Faktor: Gehaltsangaben erhöhen die Zahl qualifizierter Bewerbungen messbar.

Effekt der Gehaltsangabe nach Betriebsgröße:

BetriebsgrößeBewerberzuwachs
Bis 26 Mitarbeitende+49 %
26 bis 250 Mitarbeitende+23 %
Über 250 Mitarbeitende+47 %

Datenbasis: Auswertung von über 5.000 Stellenanzeigen auf PowerUs. Verglichen wurden Anzeigen mit und ohne Gehaltsangabe innerhalb derselben Betriebsgrößenklasse und desselben Gewerks.

Besonders für kleine Betriebe ist der Effekt stark: +49 Prozent mehr qualifizierte Bewerbungen sind bei einem ohnehin knappen Bewerberpool ein erheblicher Unterschied, ob man aus drei oder fünf Kandidaten auswählen kann.

Weitere Faktoren, die laut Plattformdaten die Bewerbungsrate beeinflussen:

  • Jobtitel mit konkreten Vorteilen formulieren: z.B. "Elektriker (m/w/d) – 4-Tage-Woche, Firmenwagen, feste Baustellen" statt nur "Elektriker (m/w/d) gesucht"
  • Arbeitsalltag beschreiben statt Anforderungslisten aufzählen: Was passiert in den ersten Wochen? Wie sieht ein typischer Tag aus? Wird im Team oder allein gearbeitet?
  • Bewerbungshürden senken: Ein expliziter Hinweis wie "Sie erfüllen nicht alle Punkte? Kein Problem – wir freuen uns trotzdem auf Ihre Bewerbung" erhöht laut PowerUs-Daten die Rückmeldequote messbar

Mehr dazu: So schreiben Sie eine wirkungsvolle Stellenanzeige

Was kostet die Besetzung einer Handwerkerstelle wirklich?

Der Anzeigenpreis ist nicht der relevante Kostenfaktor. Relevant ist der Gesamtaufwand bis zur besetzten Stelle.

KostenblockPauschal / variabel (Stepstone, Indeed)Individuelles Modell (z.B. PowerUs)
Kosten bei keiner BewerbungVoll anfallendIndividuell (auf Anfrage)
Kosten bei FehlbesetzungVoll anfallend plus NeusucheIndividuell (auf Anfrage)
Interner Aufwand VorauswahlHochGering (Vorauswahl durch Plattform)
PlanbarkeitMittelHoch

Fazit

Stepstone und Indeed bieten hohe Reichweite, aber wenig handwerkliche Spezialisierung und erreichen fast ausschließlich aktiv Suchende. handwerkerjobs.de trifft die Zielgruppe besser, überlässt aber Vorauswahl und Kandidatenansprache dem Betrieb. Die BA Jobbörse ist als kostenloser Ergänzungskanal sinnvoll, reicht aber als alleiniger Kanal in Engpassberufen nicht aus. PowerUs richtet sich speziell an Handwerk und Industrie, spricht aktiv auch passive Kandidaten an und vermittelt vom ersten Kontakt bis zur Einstellung im Schnitt innerhalb von 30 Tagen.

Entscheidend ist nicht nur die Plattform, sondern das Modell dahinter: Wer nur auf eingehende Bewerbungen wartet, wartet in einem Markt mit 200.000 offenen Stellen strukturell zu lang.

Methodik und Datenbasis

Die PowerUs-spezifischen Aussagen in diesem Artikel basieren auf der Auswertung von über 200.000 registrierten Handwerkerprofilen auf der Plattform (Stand Juni 2026) sowie einer Analyse von über 5.000 Stellenanzeigen zum Effekt von Gehaltsangaben, aufgeteilt nach Betriebsgröße und Gewerk (Zeitraum 2023 bis 2025). Die Zeitangabe zur durchschnittlichen Vermittlungsdauer basiert auf abgeschlossenen Vermittlungen mit dokumentiertem Zeitraum vom Erstkontakt bis zum bestätigten Einstellungsdatum. Angaben zu Preisen, Reichweite und Funktionsweise der verglichenen Plattformen (Stepstone, Indeed, handwerkerjobs.de, BA Jobbörse) wurden deren jeweiligen Websites entnommen (Stand Juni 2026).

Externe Daten stammen aus der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (Vakanzzeiten nach Berufsgruppen, Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026), den Kennzahlen des Handwerks 2024 und der Fachkräftesicherungsseite des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der Handwerksstrukturerhebung 2024 des Statistischen Bundesamts (Destatis) sowie dem Arbeitsmarkt Update Q2 2025 des Indeed Hiring Lab.

Quellen

  1. Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) – Fachkräftesicherung. zdh.de
  2. Indeed Hiring Lab – Arbeitsmarkt Update Q2 2025: Erste Anzeichen der Erholung, aber Stellenmarkt bleibt schwach. hiringlab.org
  3. Bundesagentur für Arbeit – Engpassanalyse: Vakanzzeiten nach Berufsgruppen, Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026.
  4. Statistisches Bundesamt (Destatis) – Handwerksstrukturerhebung 2024.

Häufige Fragen

Welche Plattform ist für Handwerksbetriebe am besten geeignet?

Das hängt vom Gewerk und Kostenmodell ab. Für Elektro, SHK und Kfz liefern spezialisierte Plattformen wie PowerUs schneller qualifizierte Bewerbungen als Generalisten wie Stepstone oder Indeed.

Wie lange dauert es, eine Handwerkerstelle zu besetzen?

Die Vakanzzeit variiert stark nach Kanal und Gewerk. Über spezialisierte Vermittlungsplattformen wie PowerUs vergehen vom ersten Kontakt bis zur Einstellung im Schnitt 30 Tage. Im deutschlandweiten Durchschnitt bleiben SHK-Stellen laut Bundesagentur für Arbeit 295 Tage unbesetzt (Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026).

Löhnt sich eine kostenlose Stellenanzeige bei der Bundesagentur für Arbeit?

Als Ergänzungskanal ja. Die BA Jobbörse ist kostenlos, aber sie erreicht fast ausschließlich aktiv Arbeitssuchende. Passive, wechselbereite Fachkräfte sind dort kaum erreichbar.

Was kostet es, einen Handwerker über eine Plattform einzustellen?

Pauschalanzeigen kosten zwischen 249 Euro/Monat (Stepstone All Jobs Starter) und über 1.000 Euro (Stepstone Pro-Pakete), unabhängig vom Ergebnis. Bei spezialisierten Plattformen wie PowerUs wird das Modell individuell im Erstgespräch geklärt.

Warum bewerben sich so wenige Handwerker auf meine Stelle?

Seit 2015 gibt es in Deutschland mehr offene Handwerksstellen als arbeitslose Handwerker. Die meisten geeigneten Fachkräfte sind bereits angestellt und suchen nicht aktiv. Plattformen, die auch passive Kandidaten ansprechen, erschließen diesen Markt besser als klassische Jobbörsen.